Restaurierung 61er

Beim Reparieren unseres Alltagsautos, eines Käfers von 69, fragte uns ein Nachbar, ob wir Interesse an einem anderen Käfer hätten. Eine Verwandte von ihm hätte einen in einer Scheune stehen, und der wäre älter als unserer, aber genaueres wusste er auch nicht. Nach ein paar Wochen sagte er uns die Adresse der Frau, und wir machten einen Termin. Das Auto stand in einer Scheune und war vom Baujahr 61. Zur Beratung nahmen wir jemanden aus unserem Stammtisch mit, der sich das Auto auch noch ansah. Wir waren der Meinung, dass der Käfer noch gute Substanz hat, und dann haben wir haben den Käfer, wie er auf dem Hänger steht, am 24.10.98 gekauft.

 
 
Beim Transport wurde es sofort schwierig, denn eine Bremse ließ sich nur mit Gewalt lösen, damit wir den Wagen auf den Hänger schieben konnten. Außerdem war ein Tor der Scheune so zugewachsen, dass wir das Tor aushängen mussten, um den Käfer zu befreien.

Wie immer bei solchen Sachen stellte sich im Nachhinein heraus, dass es doch mehr Löcher gab, als vermutet. Ich habe 50 Stellen gezählt, die geschweißt werden mussten, von Stecknadelkopfgröße bis Riesenreparatur. Trotzdem war es kein aussichtsloser Fall. Auch in der Technik steckte der Wurm: Das Auto wurde in der letzten Zeit kaum gewartet, davon aber ganz viel. So konnte man durch die Lager der Bundbolzen (Vorderachse) fast einen zweiten Bundbolzen schieben, so viel Luft war da.

Wann war das Auto wohl das letzte Mal abgeschmiert worden???
Da der Motor nicht lief, besorgte ich mir einen neuen, d. h. einen alten vom gleichen Baujahr. Nur leider fehlten bei dem die originalen Heizbirnen. Ich wollte keinen Motor mit Wärmetauscher, denn bei dem sieht man die Papprohre für die Heizung im Motorraum so deutlich. Die fehlenden Teile für den Motor besorgte mir ein Freund. Eine Unwägbarkeit war das Getriebe. Mit dem Auto bin ich ja vor der Restauration nicht gefahren.

Auf einen Markt in Recklinghausen habe ich dann, als das Auto vollkommen gestrippt war, zufälligerweise einen Faltdachausschnitt gesehen. Er passte hundertprozentig zu dem Baujahr, und so konnte ich nicht „NEIN“ sagen. Nur war ich leider mit meinem Käfer – siehe oben – in Recklinghausen. Der Faltdachausschnitt passte so gerade in das Auto, leider aber nicht mehr unsere Tochter und meine Frau. Also musste ich dann mit dem Zug nach Hause fahren.

Das größte Abenteuer war der Einbau des Faltdachausschnitts. Da ich an diesem Auto ja erst das Schutzgasschweißen gelernt hatte, war das nicht von Pappe. Ich habe bestimmt 2 Tage gemessen, bevor ich die Flex an dem tadellosen Dach angesetzt habe.

Im Nachhinein stellte sich die Passgenauigkeit als wirklich gut heraus, denn ich konnte einen Himmel ohne Nacharbeit genau einpassen. Wie man sieht, hatte auch meine Tochter viel Spaß an dem Auto.

Klar, dass ich zwei neue Türen, eine Motorhaube und einen Kotflügel neu brauchte, ebenso wie tausend andere Teile, die fehlten, defekt waren oder von falschem Baujahr.

Ohne die Hilfe von unserem Stammtisch und Freunden wäre alles hoffnungslos gewesen. So ist das Auto annähernd original geblieben oder geworden. Auf einige Dinge wollte ich aber nicht verzichten. Da das Auto Alltagsauto für den Sommer wird, hat es Sicherheits- gurte bekommen, auch hinten, wegen unserer Tochter. Dazu musste ich Unterlagen mit Gewinde aus dickem Blech an den entsprechenden Stellen hinterlegen. Da ich schon mal das „Vergnügen“ hatte, mit einem 6-Volt-Auto zu fahren, habe ich die Elektroanlage auf 12 Volt umgestellt, ohne dass man das – auch auf dem zweiten Blick – sieht. Außerdem wurde ein Scheibenwischerintervallschalter – zeitgenössisches Zubehör – installiert, ebenso wie eine Autosteckdose.

Dann stockte alles. Erstens habe ich einen Bus gekauft (siehe dazu den anderen Bericht), und zweitens bekam ich den Käfer nicht vernünftig glatt, so dass es eine gute Grundlage für die Lackierung gegeben hätte. Mir fehlt einfach die Erfahrung für so etwas. Gott sei Dank gab es einen guten Freund, der sich mit mir 3 Tage Zeit genommen hat, um das Auto bis zur Grundierung zu bringen. Und der hat hervorragende Arbeit geleistet. Aus einer „Wellblechkiste“ wurde ein vernünftiges Auto.

Dann kam die Blechbüchse auf den Trailer, ein Bild für die Götter. Den Leuten, die diesen Zug sahen, fielen glatt die Augen aus. Vom Lackierer zurück bekam ich ein Osterei, schön verpackt. Der Wagen wurde in seiner ursprünglichen, seltenen Originalfarbe „pastellblau“ lackiert, die es nur im 61er Modell gab.

Dann ging es an den Zusammenbau. Das Schwierigste war der Einbau des Himmels, von Oppermann. Die Erfahrungen, die ich damit machte, sind auch bei der Pendelachse verewigt. Siehe dazu Tips.

Zusammenbau macht Spaß, daher ging alles ganz schnell. Leider kann man das fertige Auto nur mit einer Kurzzeitzulassung ausprobieren, und in diesen 5 Tagen muss es dann auch noch zum TÜV. Diese Hürde erwies sich zunächst als unüberwindlich, weil die Lenkung zu schwergängig war. Das musste man akzeptieren, denn der gute Mann hatte recht. Ansonsten kann man nichts gegen unseren TÜV sagen, auch wenn es andere Meinungen gibt.

Jetzt ist das Auto fertig, hat noch einige Kinderkrankheiten, die nach und nach ausgemerzt werden. Es knarrt noch hier und da, aber das wird schon noch. Auch meine Frau hat Spaß mit der Kiste und fährt gerne damit zum Einkaufen. Besonders das riesige Faltschiebedach ist im Sommer ein Segen, und im Winter wird einfach der andere Käfer mit der besseren Heizung genommen.

 

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