Restaurierung T1 1966

Als ich damals auf diese Anzeige stieß, konnte ich nicht glauben, dass ein solches Schätzchen noch existieren sollte.

Auf Anfrage schickte der Verkäufer mir Fotos, die sich im Nachhinein als ehrlich herausstellten. Das Problem war nur, dass die Entfernung von Mönchengladbach nach Regensburg nicht von Pappe ist, nur, um sich eventuell eine Graupe anzusehen. Ich ging das Risiko ein und fuhr mit einem ganzen Rucksack voller Ersatzteile und Werkzeug nach Regensburg, immerhin mit Rückfahrkarte. Der Bus war wirklich so, wie vom Anbieter berichtet, und wir wurden uns handelseinig.

Als “Zubehör” gab es noch einige nette Kleinigkeiten, z. B. das originale, spärliche Werkzeug, Schneeketten (er war ja in Bayern eingesetzt!), eine Westfalia-Sitzbank hinten, die sich als Schlafcouch verwenden lässt und dazu noch das Fahrtenbuch der Feuerwehr, die Original-Betriebsanleitung mit Garantieschein und Wartungsheftchen im Ordner.
Die Rückfahrt war ein Abenteuer! Wenn man aufs Gas trat, gab es ein riesiges Beschleunigungsloch, und der Motor blieb bald stehen, bis er sich nach 10 Sekunden bekrabbelte. Abhilfe: Langsam, gaaanz ganz langsam Gas geben. Der Fehler stellte sich hinterher als Bagatelle heraus, die Düse für die Beschleunigungspumpe war verstopft. Das hätte man auch unterwegs regeln können! Außerdem war es Ende Dezember saukalt, und aus der Heizung des Busses kam zwar Luft, aber halt kalte. Abhilfe: Handschuhe, Mütze, Strickjacke und Jacke. Der Sitzkomfort war übel, denn die Federn schauten oben heraus. Aber da lag noch ein altes Schaffell im Wagen..und so klappte mit der Rückfahrt tadellos – erstaunlicherweise sogar ohne Panne!
Zu Hause wurde erst mal gesichtet, und wie es immer bei solchen Sachen ist, war viel mehr kaputt, als man vorher gesehen hatte. Die Rostschäden hielten sich wirklich in Grenzen, dafür gab es um so mehr Spachtel, und die Technik… In den Jahren nach der Feuerwehr wurde er kaum gewartet, davon aber ganz viel. Zum Glück ist vieles dem Käfer ähnlich, so passte einiges, was man noch so im Keller hatte, und die Handgriffe gingen auch geübt von der Hand. Aber auf dem Bremsenprüfstand stellte sich ein inkontinenter Bremszylinder heraus. Dieser Bulli war also nicht nur ein Klassiker, sondern auch ein “Auslaufmodell”. Alle Flüssigkeiten, die er bei sich behalten sollte, ließ er unter sich gehen. Getriebeöl war sowieso kaum noch welches da. Wie der bis nach Hause geschafft hat…? Das Lenkgetriebe tropfte, was tröstlich war, denn dann musste ja noch etwas Getriebeöl drin sein. Von unten sah der Motor aus wie eine Ölsardine, selbst die Waschanlage für die Windschutzscheibe spritzte innen und nicht außen… Und der sollte für den Campingurlaub fertig werden? Also ran, Motor raus (das geht übrigens sehr einfach, viel besser als beim Käfer), Dichtungen und Wärmetauscher neu, Bremsleitungen, -schläuche und Bremszylinder neu, Schaltung gängig machen und mit neuem Lager für die Schaltstange versehen, Kupplung  komplett neu (die war bis auf die Nieten runter und der Automat war auch hin) und und und… Es war gut, dass ich Hilfe von einem guten  Bekannten hatte, der sich bei T1-Bullis sehr gut auskennt und noch einige  Teile auf Lager hatte.  Nach der Lackierung sah der Bus wieder richtig  gut aus, und mein Vater bezog die Sitze neu. Der Urlaub stand vor der Türe, und der Wagen musste noch zum TÜV. Doch auch diese Hürde nahm er mit kleinen Hindernissen, und so bekam er das ersehnte Oldtimerkennzeichen. 3 Tage vor dem Urlaub war er endlich fertig!
Die Urlaubsfahrt war Testfahrt, und da kann ja bekanntlich einiges schief gehen. Erstaunlicherweise hatte er nur 2 kleine Macken, die sich ambulant beheben ließen. Wofür haben wir einen ganzen Zentner Ersatzteile und Werkzeuge mitgenommen…
Genießen kann man beim Bulli fahren den hervorragenden Überblick und ein einzigartiges Fahrgefühl mit einem fast waagerecht stehenden Riesenrad als Lenkrad. Der Wagen hat  ein konkurrenzloses Platzangebot. Gewöhnungsbedürftig ist die bockbeinige Federung, besonders vorne, erst recht auf den Straßen Mecklenburg-Vorpommerns. Da macht schon mal der Kopf mit dem Dach Bekanntschaft. Und Vorsicht ist bei Kurven angebracht. Der T1-Bus hat, wie alte Käfer, Pendelachse ohne Ausgleichsfeder und kann daher für Nicht-Käfer-Fahrer tückisch werden. Auf der Urlaubsfahrt hätte ich beinahe mit einem Alleebaum Bekanntschaft gemacht. Aber sonst haben wir viel Spaß mit unserem Bulli.

Daten:
Länge: 4.28 m
Breite:  1,75 m
Höhe:  1,92 m , passt also in jede Garage

Motor: 1500 ccm 44 PS bei 4000 U/min
Verbrauch: ca. 10 bis 11 l / 100 km  bei vorsichtiger Fahrweise

Höchstgeschwindigkeit: 110 km/h empfehlenswert: 90 bis 95 km/h, sonst zu laut
Innenraum: ca. 4m3 max. 9 Sitzplätze, jetzt mit 6 Plätzen inkl. Schlafgelegenheit
Wartung: alle 5000 km Ölwechsel und Abschmierdienst, alle 10000 km Inspektion

 

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